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In den meisten Bereichen ist der Mensch Individualist – nur beim Wohnen geben sich viele mit einer Standardlösung zufrieden: Durchschnittshaus in der Neubausiedlung, die so überall in Bayern sein könnte. Doch immer häufiger gibt es Überlegungen, wie man das Bauen, Wohnen und Zusammenleben an die sich ändernden Umstände anpassen könnte. Experten glauben: Es lohnt sich, zusammen an einer besseren, ökologischeren, sozialeren oder einfach nur besser zureigenen Lebensweise passenden Zukunft zu bauen. Ein Beispiel ist das Ökodorf Erlenweide.


| Foto: Karin Polz

- Foto: Karin Polz


Wie wollen Sie wohnen? Auf diese Frage würden sicherlich viele Menschen antworten: in einem Siedlungsgebiet, das nah an der Natur liegt, aber nicht zu weit weg von der Stadt, mit netten Nachbarn, die man alle kennt und mit denen man eine Gemeinschaft bildet, außerdem gerne noch ohne gesundheitsschädliche Einflüsse, und am liebsten sollen auch keine Autos durch die Siedlung fahren oder die Wege zuparken. Geht nicht, denken Sie? Nun ja, wenn es so etwas noch nicht gibt, dann muss man es eben selbst erschaffen, dachten sich die Initiatoren des Ökodorfs Erlenweide in Straßkirchen in der Gemeinde Salzweg (Landkreis Passau), der Baubiologe Heinz Hofbauer und der Umweltingenieur und Schadstoffexperte Volkmar Hintze. Heute leben die ersten Anwohner genau so, wie sie es sich damals in der Fantasie ausgemalt haben – auch wenn die Umsetzung nicht immer leicht war.

"Es ist ja so", sagt Volkmar Hintze, "viele Projekte, die von einer idealen Siedlung träumen, haben die Interessenten, aber keine Grundstücke. Bei uns war es andersrum." Der zweite Abschnitt des Baugebiets Straßkirchen-Nord war ursprünglich konventionell geplant, doch als die Idee des Ökodorfs an die Gemeinde herangetragen wurde, stieß man auf offene Ohren. Allerdings, so wurde festgelegt, mussten die Bauwilligen die Erschließung vorfinanzieren. Die Ökodorf-Gründer hatten nun also eine etwa eineinhalb Hektar große Fläche für 19 Bauparzellen, einige wenige Interessenten, die schon Grundstücke kaufen wollten – und einen Finanzbedarf von rund einer viertel Million Euro. Doch mit Vorschüssen der ersten Grundstückserwerber und privater Darlehensgeber konnte das Geld beschafft werden und in einer Gesellschaft gebündelt werden. Trotzdem war diese Phase nicht immer leicht: "Das war schon ein Abenteuer, als Privater so ein Projekt zu starten, es hat uns alle zum Teil bis an die Belastungsgrenze gebracht", sagt Volkmar Hintze über die Anfangszeiten des Ökodorfs. "Ein paar Durchhänger gab es da schon", bestätigt Mitstreiter Günter Sperber. Doch das hat auch zusammengeschweißt, Vertrauen entstehen lassen.


| Foto: Karin Polz

- Foto: Karin Polz


Drei Jahre später – der Spatenstich für die Erschließung war im April 2012 – füllt sich das Ökodorf mit Leben. Günter Sperber und seine Frau Daniela, die als Erste ihr Haus im Ökodorf bezogen haben, legen gerade einen Gemüsegarten an. Ein kollektiver Garten soll zudem auf einer Gemeinschaftsparzelle entstehen. Doch das hat noch Zeit: Derzeit haben die meisten mit dem Bau ihrer Häuser zu tun. So wie Armin Hofbauer. Drei Tage vor dem geplanten Umzug ins neue Haus ist er fleißig am Arbeiten. Ein paar Sachen muss er noch erledigen, das Kinderzimmer allerdings ist schon komplett fertig. Denn mit Armin Hofbauer und seiner Frau Christina wird auch Sohn Paul einziehen – mit wenigen Lebenswochen der jüngste Ökodorf-Bewohner.

Wenn Paul mal größer ist, kann er quasi gefahrlos auf der Straße spielen, denn die Autos werden außerhalb des Dorfes geparkt. Die Garagen und Stellplätze finden sich gesammelt an den verschiedenen Enden der Siedlung, auch für Besucher. Auf den Grundstücken selbst können keine Parkmöglichkeiten errichtet werden. Zum Ein- und Ausladen darf natürlich jeder Ökodorf-Bewohner bis an die Haustür fahren. Die weitgehend autofreien Wege gefallen nicht nur den Anwohnern: "Auch die Kinder aus der Nachbarschaft kommen gerne zum Spielen her, das ist schön, denn wir wollen uns ja nicht abschotten", sagt Volkmar Hintze.

Keine Kunststofffenster, kein WLAN

Für Armin Hofbauer war die Aussicht, autofrei zu wohnen, zwar sehr attraktiv, aber bei weitem nicht das einzig ausschlaggebende Argument. "Da mag ich leben, hat meine Frau gesagt, als wir das Grundstück gesehen haben. Und der ökologische Ansatz gefällt uns auch sehr", sagt der Sohn des Baubiologen undÖkodorf-Ideengebers Heinz Hofbauer. Wie alle anderen Bewohner auch hat Armin Hofbauer sich vertraglich verpflichtet, mit nachhaltigen Materialien zu bauen. Holz und Ziegel sind möglich, allerdings keine Wärmedämmverbundsysteme und auch keine Kunststofffenster. Ein gemeinsames Wärmenetz ließ sich nicht umsetzen, nun nutzen viele Häuser Solarenergie. Elektrosmog soll möglichst vermieden werden, darum haben die Anwohner kein WLAN oder schnurlose Telefone. "Unsere Baubiologen helfen den Bauwilligen, diese Dinge ohne Komfortverlust entsprechend zu planen", sagt Volkmar Hintze. Dass das gut funktioniert, bestätigt Armin Hofbauer, der trotz der Einschränkungen auf nichts verzichten muss – auf fast nichts: "Ursprünglich hatten wir schon WLAN für unser Haus geplant, aber jetzt machen wir es halt anders", sagt Armin Hofbauer.

Dass sich die gesunde Art zu bauen lohnt, bestätigen diejenigen, die schon im Ökodorf wohnen: "Man merkt den Unterschied, in der Luft, beim Schlafen", sagt Caroline Frey, in deren Zuhause vier Generationen der Familie unter einem Dach wohnen. "Wenn wir Übernachtungsbesuch haben, sagen die Gäste oft, dass sie so tief geschlafen haben wie sonst nie", berichtet Daniela Sperber. Wer es noch nicht ausprobiert hat, ist vielleicht etwas skeptischer. "Am Anfang mussten wir unseren Bekannten viel erklären zum Ökodorf, aber wenn wir ihnen dann die Siedlung hier gezeigt haben, waren die meisten begeistert", hat auch Armin Hofbauer schon seine Erfahrungen gemacht.

Natürlich muss die Einstellung der Leute stimmen, die in das Ökodorf ziehen wollen: "Es sollte schon harmonieren", sagt Volkmar Hintze. Neben der ökologischen Ausrichtung sollte auch die Bereitschaft da sein, sich in die Gemeinschaft einzubringen. Was das heißt? Das wird sich noch rausstellen, schließlich bildet sich die Dorfgemeinschaft gerade erst. "Auf keinen Fall wird erwartet, dass man ständig beim anderen an der Haustür steht", sagt Salzwegs Bürgermeister Josef Putz, der mit Stolz auf das Ökodorf schaut. "Durch das Ökodorf ist unsere Gemeinde bekannt, es ist ein prägendes Merkmal unserer Gemeinde", sagt Putz. Das Grundkonzept finde er attraktiv und zukunftsträchtig. "Das Ökodorf arbeitet den ursprünglichen Charakter des Wohnens wieder heraus, diesen dörflichen Charakter, den sozialen Zusammenhalt", lobt der Bürgermeister.

Offenbar hatten aber gerade am Anfang des Projekts vor allem Auswärtige Gefallen an der Idee gefunden: Aus München, aus Franken und noch weiter weg kamen Anfragen. Die Einheimischen haben erst später nachgezogen, jetzt siedeln sich auch Waldkirchener und Passauer in Straßkirchens Vorzeigesiedlung an. "Wir sind mittlerweile gut gemischt", sagt Volkmar Hintze. Auch altersmäßig – vom wenige Wochen alten Paul bis zur 77-jährigen Helga Fuller. Ein Vier-Familien-Haus ist bereits vollständig bewohnt, von Eigentümern und Mietern, andere Grundstücke sind bereits ausgesteckt, die Bauarbeiten werden demnächst beginnen. Und eine Anfrage für das letzte Grundstück ist eben gekommen, dann wäre das Dorf sozusagen komplett. Sogar die Bank am Dorfplatz steht schon – ein Platz zum Treffen und Ratschen. Nur ein kleines Fleckchen ist noch übrig, das für ein Gemeinschaftshaus vorgesehen ist – von intern und klein bis zum regionalen Zentrum ist hier noch alles denkbar. Das Ökodorf ist mitten in seiner Entwicklung – wie es einmal sein wird, da gibt es viele Wünsche, Träume und Hoffnungen. "Das Besondere unseres Dorfes muss sich erst noch ergeben – wir hoffen, es ist eine Gemeinschaft", sagt Daniela Sperber.



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