• heimatsport.de
  • am-sonntag.de




Icon Breadcrumb Sie sind hier:
  • Himmlische Kunst
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...




Himmlische Kunst

von Lukas Lange, Kristina Pöschl, Karin Polz und Julia Ruhs

Lesenswert (2) Lesenswert Weitersagen Weitersagen drucken Drucken






Wertvolle Glasfenster für die Leprakranken
Leprosenkirche St. Anna in Neuötting (Landkreis Altötting)


| St. Anna Neuötting maria plus ritter Foto Petra Kähsmann

- St. Anna Neuötting maria plus ritter Foto Petra Kähsmann


Ritter Degenhart von Pfäffingen hat 1510 die Leprosenkirche St. Anna errichten lassen, 600 Meter von der Stadt entfernt. Die Kirche sollte den Leprakranken, den sogenannten Leprosen, Zuflucht bieten, die wegen ihrer Krankheit aus der Stadt verbannt wurden und sich auf eigene Faust durchschlagen mussten. Im Gotteshaus hatten die Kranken die Möglichkeit, mit Angehörigen und Freunden weiterhin in Kontakt zu bleiben – indem den Leprakranken der Platz auf der Empore vorbehalten war, die Gesunden dagegen unten Platz nahmen. Die Kirche St. Anna besitzt wertvolle Glasfenster, die bei der Errichtung der Kirche ein Landshuter Künstler fertigte. Auf den bunten Scheiben sind sowohl Spender und Gönner der Kirche als auch christliche Figuren wie Maria auf der Mondsichel, der heilige Joachim und der heilige Lazarus abgebildet. Im Jahr 2000 wurden die Fenster wegen einer Außenrenovierung zu ihrem Schutz ausgelagert und renoviert. 2011, zum 500-jährigen Bestehen der Leprosenkirche, wurden die spätgotischen Fenster wieder eingebaut.

Neuromanisches Gesamtkunstwerk

Herz-Jesu-Pfarrkirche in Ludwigsthal (Landkreis Regen)

Details / Ludwigsthaler Kirche

Details / Ludwigsthaler Kirche | www.onelife-photo.com Foto Frank Bietau

Details / Ludwigsthaler Kirche - www.onelife-photo.com Foto Frank Bietau


Die neuromanische Herz-Jesu-Pfarrkirche in Ludwigsthal bei Lindberg im Bayerischen Wald ist ein Gesamtkunstwerk, denn sie weist einen vollständig ausgemalten Innenraum auf. Es gibt keinen Fleck, der nicht mit Bildern, Ornamenten oder Farben gefüllt ist. Die Kirche wurde in den Jahren 1893 und 1894 erbaut. Dabei schuf der junge Künstler Franz Josef Hofstötter die einzigartige Gestaltung des Innenraums, es war für ihn das erste große Projekt seiner Laufbahn. Zu sehen sind beispielsweise die acht Seligpreisungen Jesu aus der Bergpredigt, Bilder aus dem Neuen und Alten Testament, Maria und andere biblische Figuren. Alles in der Kirche zielt auf das ewige Heil, das Gott den Menschen zugedacht hat. Zwar blieb die Herz-Jesu-Kirche bis heute überwiegend unverändert erhalten – gravierende Schäden wie Wassereinbrüche im Gewölbebereich gefährden den Bau aber. Auch die Malschicht ist bereits teilweise verloren gegangen. Deshalb wird die Kirche gerade restauriert – die Arbeiten werden wohl mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Das Meisterwerk eines Unbekannten

St.-Jakobus-Kirche von Rabenden (Landkreis Traunstein)


| Foto: Peter Geymayer

- Foto: Peter Geymayer


Sechs Meter hoch ist der Hochaltar des "Meisters von Rabenden" in der St.-Jakobus-Kirche von Rabenden in der Gemeinde Altenmarkt. Damit ist er eines der bedeutends- ten spätmittelalterlichen Bildwerke Süddeutschlands. Der unbekannte Künstler beeindruckte das Kirchenvolk dabei so sehr, dass man sich mit dem fehlenden Namen nicht abfinden wollte – und ihn kurzerhand zum "Meister von Rabenden" erklärte. Der spätgotische Flügelaltar wurde im frühen 16. Jahrhundert und damit in einer Epoche von Krieg und Hungersnöten geschaffen, der Künstler wollte durch bewegende Jakobsskulpturen das Überirdische und Irdische verbinden und so Trost spenden. Heute dürfte den Besuchern wohl eine Rast reichen – Rabendens Kirche liegt am Jakobsweg.
Pilgertipp: Es gibt viele Routen des Jakobswegs – auch wenn nur eine weltberühmt ist. Der Jakobsweg Böhmen- Bayern-Tirol ist derjenige Abschnitt, der an Rabenden vorbeiführt. Wer einen Teil der Pilgerstrecke gehen möchte, kann zum Beispiel von Altötting nach Wasserburg wandern. An vielen Stellen stößt man dabei auf den heiligen Jakob, zudem geben Inntal und Alztal eine wunderschöne Naturkulisse ab.

Komplett im Rokoko Karolikapelle in Waldkirchen
(Landkreis Freyung-Grafenau)
Wo ist die schönste Kapelle im ganzen Land? Für Waldkirchens Kunstexperten Karl Saxinger steht das fest: Die Karolikapelle in Waldkirchen sucht in weitem Umkreis ihresgleichen. Ursprünglich wurde sie um 1665 vom Waldkirchner Handelsmann Bernhard Linus erbaut, doch veranlasste der baufreudige Dekan Johannes Antonius Loraghi 1754 bis 1756 einen vollumfänglichen Umbau im Stil des Rokoko. Formen und Farben zeugen seitdem in feiner Eleganz vom Kunstempfinden jener Zeit. In zierlich beschwingter Form vereinigt der Altar, das Hauptwerk des Kirchenraums, Vielfalt und Einheit in sich. Handwerkliches Können schuf einen prächtigen Rahmen für das Altarbild, das den heiligen Karl Borromäus bei der Spende der Kommunion an Pestkranke zeigt. Spielerisch leiten Architektur und stuckumrahmte Freskenfelder, in denen Begebenheiten aus dem Leben des Kirchenpatrons sowie Allegorien der Tugenden gezeigt werden, in den Raum über.

Freiluft-Kunstwerk auf dem Quarzriff
Kirche St. Anton in Viechtach (Landkreis Regen)


| Foto: Daniela Albrecht

- Foto: Daniela Albrecht


Ein Baudenkmal und ein Naturdenkmal treffen in Viechtach aufeinander: Das Kirchlein St. Anton steht auf dem "Pfahl", einem Quarzriff, das sich viele Kilometer durch den Bayerischen Wald zieht. Ein bemerkenswertes Kunstwerk findet sich nahe der Kirche: die Kreuzigungsgruppe Antonipfahl. Die heutigen Holzfiguren verdankt man dem gebürtigen Viechtacher und späteren Münchner Dr. Ignaz Petter. 1910 hat er die Figuren des Südtiroler Bildhauers Josef Obletter gekauft und der Pfarrei gestiftet. Seit 1970 steht die Kreuzigungsgruppe am Standort östlich der Kirche St. Anton. Mehrmals schon mussten die Figuren restauriert werden, denn das Wetter setzt dem Material, vermutlich Zirbelkieferholz, stark zu. Ein Platz in einer Kirche kommt allerdings für die Bevölkerung und die Fachleute nicht in Frage. Gerade war die Kreuzigungsgruppe wieder beim Restaurator Guido Obletter, dem Enkel des Künstlers – dank zahlreicher Spenden konnten die Figuren wieder auf Vordermann gebracht werden. Wandertipp: Der Rundwanderweg Kleiner Pfahl in Viechtach kann gut von untrainierten Wanderern gemeistert werden. Der Weg ist markiert mit der gelben Nummer fünf, ausgeschildert als Winterwanderweg, und führt an der Kapelle St. Anton vorbei. Sieben Kilometer misst er und startet am Viechtacher Bierfeldparkplatz.

Jahrhundertelang unentdeckt: die Ruhpoldinger Madonna
Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding (Landkreis Traunstein)
"Die Ruhpoldinger Madonna ist in jedem guten Buch über Kunstgeschichte drin", weiß Traunsteins Kreisheimatpfleger Christian Soika über die romanische Madonnenfigur zu berichten. Dabei stand die Statue aus dem 12. Jahrhundert noch vor dreißig Jahren weitgehend unbeachtet in einer Wegkapelle. "Man kann von Glück sagen, dass sie noch da ist und so lange unerkannt blieb", sagt Christian Soika, heute steht die Marienstatue schwer gesichert im Gold-
gehäuse des rechten Seitenaltars der Ruhpoldinger Pfarrkirche St. Georg.

Jesu Taufe am "wachsenden Felsen"

Filial- und Wallfahrtskirche St. Johann, Baptist und Evangelist, in Usterling (Landkreis Dingolfing-Landau)


| Foto: Manuel Birgmann

- Foto: Manuel Birgmann


Zwei Johannes und ein "Naturwunder" spielen eine Hauptrolle beim Hochaltar der St.-Johannes-Kirche in Usterling, einem Ortsteil von Landau an der Isar. Der reich verzierte spätgotische Hochaltar gilt als das qualitätsvollste und bedeutendste Schnitzwerk aus jener Epoche im Bezirk und wurde in den vergangenen Jahren aufwendig gesichert und restauriert. Gezeigt werden die beiden Johannes: Sowohl St. Johannes der Täufer (Johannes Baptist) als auch der Apostel Johannes (Evangelist) sind Kirchenpatrone der Wallfahrtskirche und werden als fast lebensgroße Holzskulpturen im Mittelschrein präsentiert. Eine Besonderheit gibt es auf dem linken Altarflügel zu sehen: Dieser zeigt unten Johannes den Täufer auf Stationen seines Lebens – und eine davon, die Taufe Jesu, hat der unbekannte Schöpfer des Altars direkt in Usterling angesiedelt. Denn er hat den "wachsenden Felsen von Usterling" abgebildet, das bekannteste Naturphänomen dieser Region – und eines der wichtigsten Geotope Niederbayerns. Entstanden ist der "wachsende Felsen" dank einer sehr kalkhaltigen Quelle, die über dem Fels liegt. Auf dem Felsrücken führt eine Rinne entlang, in der das Quellwasser abläuft und dabei Kalk abscheidet – somit wächst der bisher 40 Meter lange und fünf Meter hohe Kalkstein immer weiter.
Ausflugstipp: Der "wachsende Felsen" von Usterling ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Von der Autobahn A 92 geht es bei der Abfahrt Landau weiter auf der B 20 Richtung Landau. Nach der Überquerung der Isar am Ortsrand von Landau nach rechts auf die Kreisstraße nach Mamming/Dingolfing abbiegen. Der "wachsende Felsen" ist ab hier ausgeschildert und etwa drei Kilometer weiter am östlichen Ortseingang von Usterling zu finden. Auch Radfahrer erreichen das Geotop ganz einfach: Es liegt direkt am Isarradweg.


| Foto: Hackl

- Foto: Hackl


Die vergessenen Asam-Fresken
Klosterkirche St. Anna in Gotteszell (Landkreis Regen)
Die Brüder Asam gelten als Meister der Kirchenausstattung im Spätbarock. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts barockisierten sie mit ihren Stuck- und Freskenarbeiten die Anfang des 14. Jahrhunderts erbaute Zisterzienser-Kirche in Gotteszell. Im Zentrum ihrer Arbeit stand ein imposantes Chorfresko von Cosmas Damian Asam, das die Himmelfahrt Marias zeigt. Bei einem Brand 1830 wurde die Hochaltaranlage jedoch zerstört, das Fresko im Folgenden übertüncht. Mehr als hundert Jahre geriet es in Vergessenheit, bis es im Zuge einer Kirchenrenovierung 1939 bis 1945 wiederentdeckt wurde. Im Jahr 2003 wurde das Fresko aufwendig restauriert mit dem Ziel, die ursprüngliche Qualität durch die Entfernung späterer Ergänzungen und durch die Rekonstruktion großer Verlustbereiche wiederzugewinnen. Heute ist das Chorfresko wieder strahlender Blickfang der prachtvoll ausgestatteten dreischiffigen Pfarrkirche, die noch mit anderen Schätzen aufwartet, unter anderem einer Anna-Selbdritt-Figur mit Strahlenglorie am Hochaltar, einer Jann-Orgel von1999, einer Rokoko-Kanzel und einer Abendmahlgruppe mit lebensgroßen Figuren.



Dokumenten Information
Copyright © Advertorial 2018
Dokument erstellt am
Letzte Ă„nderung am






realisiert von Evolver